Vergangenen Juni hat Bernhard Reitshammer während der EM bereits seinen 30. Geburtstag gefeiert. EM-Gold mit der Lagen-Staffel war in Belgrad das schönste Geburtstagsgeschenk. Ein halbes Jahr später schwimmt der Tiroler mit Silber über 100 Lagen bei der Kurzbahn-WM in Budapest zu seinem bisher größten Erfolg. Es war bereits seine fünfte Medaille bei einem Großevent. Zuvor gewann Vize-Weltmeister schon Gold bei der Kurzbahn-EM in Otopeni, Bronze bei der Kurzbahn-EM in Kazan und Staffel-Bronze bei der EM in Rom. Vor allem die jüngsten Erfolge geben enorm viel Kraft und Motivation zum Weitermachen. Nächstes großes Ziel ist die WM im Sommer in Singapur. „Es macht immer noch extrem viel Spaß und die Leistungen stimmen. Also gibt es keinen Grund, an ein Karriereende zu denken.“
Schwimmen, solange es Spaß macht
Der Aufbau Richtung WM hat im Jänner mit einem längeren Trainingslager in Hurgada begonnen. „Ich brauche diesen Tapetenwechsel. Das ist gut für Körper und Geist. Die Trainings sind doch sehr hart und da ist jede Abwechslung willkommen. Training im Freien ist ohnehin etwas Besonderes. Statt Kälte und Wind bei uns gibt es in Ägypten perfekte Bedingungen.“ Es war nach Belek im Herbst bereits das zweite Trainingslager mit neuem Trainerteam. Nach dem Wechsel von Florian Zimmermann zurück nach Tirol ist seit September Daniel Wartner für die Trainingspläne verantwortlich: „Das hat sich sehr schnell sehr gut eingespielt. Wir verstehen uns sehr gut. Daniel weiß genau, was ich brauche. Ich kann mich dadurch voll auf meine Dinge konzentrieren und freue mich schon auf die ersten Wettkämpfe. Es ist immer wichtig zu wissen, wo man steht und woran man noch arbeiten muss.“
Endlich wieder einmal Skifahren
Freizeit und Regeneration werden immer wichtiger. „Der Körper verlangt natürlich in meinem Alter auch nach längeren Auszeiten und der Kopf nach Ausgleich. Mit 30 hat man hin und wieder das eine oder andere Problem. Deshalb habe ich die Pause zum Jahreswechsel auch extrem genossen. Nach langer Zeit war ich wieder einmal länger zu Hause in Tirol, und das war wichtig, um meine Akkus voll aufzuladen. Weihnachten und Neujahr waren eine echt gute Zeit. Abschalten und mit Freunden und Familie die freie Zeit genießen. Das, was man sonst das ganze Jahr nicht machen kann. Weg vom Training, weg vom Becken und abtauchen. Was gibt es Schöneres. Ich war sogar endlich wieder einmal Skifahren, das hat mir als Tiroler verdammt gutgetan.“
Je älter, umso besser
Noch nicht sehr intensiv, aber langsam kommen auch Gedanken an das Leben nach dem Sport. „Zuerst möchte ich dann einmal privat die Welt bereisen und mir ein paar Sachen anschauen. Danach irgendetwas im Finanzbereich machen. Das würde mich interessieren. Aber noch stecke ich ja mitten in meiner Karriere. Ich plane aktuell von Event zu Event. Mir kommt vor, dass ich immer besser werde, je älter ich werde. Aber ja, natürlich denke ich auch an die Zeit danach.“ Eine Frage, mit der Reitshammer nach seinen Olympia-Starts in Paris oft konfrontiert war: „Ein weiterer Olympiazyklus bis 2028 ist schon lange. Erfolg kann man auch nicht buchen und Medaillen nicht einfach abholen. Da gehört schon eine gewisse Portion Glück dazu. Sollten die 50 Brust allerdings olympisch werden, dann ist es schon einen Gedanken wert. Ich verstehe es ohnehin nicht. 50 Meter sind in allen Disziplinen spektakulär, attraktiv und sie machen enorme Stimmung. Vielleicht denkt das IOC ja um. Es wäre an der Zeit.“